Hier sehen Sie diesen Blog-Eintrag als PDF-Datei mit Bildern (dieser öffnet sich in einem neuen Fenster)Wir nutzen unsere Reisen in den Oman einerseits, um unsere befreundeten Händler zu treffen, aber auch um uns in verschiedenen Themen zu Weihrauch fortzubilden.

Über einen sehr wichtigen Teilaspekt der Weihrauchgewinnung, die Sortierung, geht es in diesem Blog.

Weihrauch, wie zum Beispiel der Al-Hojari, die beste Weihrauchsorte im Oman und für viele die weltbeste Weihrauchsorte überhaupt, ist das Harz des Weihrauchbaumes Boswellia. Von den weltweit 25 bekannten Arten werden ca. 5 hauptsächlich verwendet. Der Al-Hojari gehört zu Boswellia sacra.

Im Oman gibt es noch 3 weitere Weihrauchsorten. Alles boswellia sacra. Sie sind aber nicht so fein und stammen aus anderen Bereichen des Dhofar Gebietes, als der Al Hojari.

Geerntet wird der Weihrauch, indem die Rinde des Baumes mit einem speziellen Werkzeug der Manqaf angeschabt wird.

Aus der so entstandenen Wunde fließt das Harz und trocknet etwa 2 Wochen lang am Baum, bevor es abgeschabt wird und zunächst in kühlen Höhlen oder Überdachungen vor zu großer Hitze geschützt, weiter getrocknet und gelagert wird.

An einem Baum und erst recht an verschiedenen Bäumen bildet sich auch verschiedenartiges Harz.

Das ist abhängig von:

- Lage der Wunde am Baum

- Sonnenbestrahlung

- Alter des Baumes

- Nährstoffe am Standort

- Mikroklima am Standort

- Saisonales Klima, wie Feuchtigkeit und Temperatur

- Einschlüsse im Harz von Sand, Rinde

- Größe der Harzstücke durch unterschiedlichen Harzfluss

- Teilweise können die Harzstücke auch auf den Boden fallen und werden trotzdem eingesammelt.

All das macht es nötig den Weihrauch, wenn er dann mal auf der Farm ist, zu sortieren und zu reinigen. Dabei wird er in der Regel auf der Farm noch nicht detailliert in die einzelnen Qualitäten sortiert, sondern in 40 Kg Säcke zu verschiedenen groben Qualitäten vorsortiert.

So kommt er dann auch auf den Markt. Unsere Händler kaufen dann diese 40 Kg Säcke, je nachdem was für Qualitäten wir später haben möchten und reinigen und sortieren sie dann für uns. Wir hätten zwar mittlerweile genügend Erfahrung und wurden ausreichen geschult,

um selbst zu sortieren, aber unsere Spezialisten vor Ort machen das schneller und günstiger. Einzig unseren Kau-Weihrauch aus Äthiopien sortieren wir selbst noch einmal aufs Genauste aus.

Allerdings können auch unsere Händler nur sortieren was die jeweilige Jahresernte hergibt. 2017 war schon schwierig wegen der fehlenden Luftfeuchtigkeit des Monsuns Khareef. 2018 war eine richtige Katastrophe wegen des Zyklons Mekunu im Mai, der kurz vor der Haupternte große Schäden anrichtete. Wir konnten uns nur einigermaßen mit Weihrauch versorgen, weil wir Freunde mit exzellentem Netzwerk vor Ort haben. In solchen Jahren wird nämlich viel brauchbarer Weihrauch vor dem großen Markt zurückgehalten und ist nur über interne Quellen zu bekommen. Wir haben uns 2017 auf dem berühmten Al Haffa Souk (Markt) in Salalah umgesehen und haben erst nach mehreren Händlern und mit viel Nachhaken in einem Raum hinter der Theke, in den man uns führte, 2 Kg des grünen Al-Hojari Grad 1 gezeigt bekommen. In den offiziellen Auslagen war er nirgends zu finden.

Die Sortierung erfolgt ausschließlich in Handarbeit mit den Fingern. Für unseren Mix kleiner Stücke der Grade 1-3, (kleine Tränen oder Bruchstücke der qualitativ hochwertigen großen) der am aufwändigsten zu sortieren ist und für den wir unserer Händlerin wirklich dankbar sind, dass sie das auf sich nimmt, wird für eine erste Grobsortierung ein Sieb verwendet.

So hat jeder unserer Händler seine Vorzüge für uns. Unser anderer Händler gehört zum Stamm der Jebali, dem das Wissen über Weihrauch gehört, was für uns den Vorteil hat, dass wir bei ihm unsere Fortbildungen bekommen und er derjenige ist, der noch guten Weihrauch auftreibt, wenn sonst auf dem offiziellen Markt nichts mehr wirklich Brauchbares zu bekommen ist

Neben dem Al-Hojari Mix der kleinen Stücke ist natürlich die Sortierung in die  unterschiedlichen Grade der großen Stücke sehr wichtig. Wir lassen dazu 4 verschiedene Grade sortieren.

Al-Hojari-Grad 1, der grünliche. Hinweis: Das Grün kann allerdings je nach klimatischen Bedingungen und dadurch unterschiedlicher Trocknung und Oxidation, sehr von schönen dunklem, wie im Jahr 2016, bis hellem, weißlichen Grün, wie im Jahr 2018, schwanken. Es ist trotzdem immer Qualität Grad 1, mit seinem leicht minzigen, einzigartigen Duft.

Al Hojari-Grad 2, der weiße. Der wird von unseren omanischen Freunden auch gerne zum Kauen verwendet.

Al Hojari-Grad 3, der bräunlich-orangene. Der wird im Oman gerne zum täglichen Räuchern verwendet. Für Haus und Kleidung. Wir empfehlen ihn oder Grad 2 gerne zur energetisch reingenden Haus- oder Wohnungsräucherung.

Al Hojari-Grad 4, der dunkle. Unsere neueste Sortierung. Der häufigste in den 40 Kg Säcken des Al Hojari. Wir lieben ihn wegen seinem erdigen, malzigen Duft, der wie der Grad 3 auch gut zur Meditation passt. Unsere Händlerin destilliert daraus Weihrauch Öl.

Über das Thema, warum die großen Stücke begehrter sind, oder eventuell eine bessere Qualität als die kleineren Stücke darstellen sollen, habe ich bereits einen ausführlichen Blog

geschrieben. Auf jeden Fall sind sie schöner. So schön, dass wir mit ausgewählten Stücken, von ganz besonderer Form, beliebte Anhänger für Schmuck herstellen.

Nachdem wir 2018 nicht vor Ort waren, aber unsere Händlerin aus dem Oman am zweiten Weihnachtsfeiertag zu Besuch kam, werden wir 2019 wieder nach Salalah reisen. Wir sind uns sicher es gibt noch viel am Weihrauch zu entdecken und davon abgesehen ist der Oman ein traumhaft schönes Land mit sehr freundlichen Menschen. Wir freuen uns schon wieder riesig darauf.

Bernhard Adler für Kirchen-Weihrauch.

Februar 2019